8. Dezember

Winter in Island

Die isländischen Weihnachtskerle

Die isländischen Weihnachtskerle haben ursprünglich nichts mit dem vom Nikolaus zum Santa Claus gewordenen europäisch-amerikanischen „Weihnachtsmann“ zu tun. Die dreizehn Weihnachtskerle kommen einer nach dem anderen in der Zeit vor Weihnachten, und sie bringen keine Geschenke, sondern stellen etwas an oder stehlen, sie sind also mehr wie Kobolde. Das Jahr über leben sie mit ihrer Mutter Grýla, einer furchterregenden Trollfrau, in den Bergen, die sie in der Weihnachstzeit zu den Menschen jagt. Die Reihenfolge, in der sie nachts auftauchen, ist immer die selbe:

In der Nacht zum 12. Dezember kommt Stekkjastaur, lang und schlank wie ein Zaunpfosten, und versucht, wie die Lämmer Schafsmilch zu trinken, was aber wegen seiner Gestalt nicht einfach ist. Jede Nacht kommt ein weiterer seiner Brüder hinzu. Der grauhaarige Giljagaur lauert im Kuhstall und versucht, den Rahm von der Milch zu stehlen, wenn die Magd abgelenkt ist. Stúfur, der Knirps, schnappt sich, wenn er unbeobachtet ist, die Pfanne vom Herd und nascht die angebrannten Reste daraus. Þvörusleikir ist unvorstellbar dünn. Er grabscht nach dem Teigschaber, um ihn abzulecken, ähnlich wie Pottaskefill, der die Menschen ablenkt, um dann heimlich die Töpfe auszuschlecken. Unter den Betten versteckt sich Askasleikir, und angelt sich die Fressnäpfe der Katzen und Hunde. Hurðaskellir stiehlt zwar nichts, knallt aber nachts mit den Türen, um die Menschen im Schlaf zu stören. Skyrjarmur ist ein riesiger Kerl, der die Deckel der Skyrfässer zerbricht, um sich daraus zu bedienen. Mit langem Arm angelt Bjúgnakrækir sich Würste aus dem Rauchfang. Gluggagægir steht am Fenster und schielt nach etwas, das er stibitzen kann, sein Bruder Gáttaþefur mit seiner riesigen Nase verlässt sich ganz auf seinen Geruchssinn und kann frischgebackenes laufabrauð schon aus kilometerweiter Entfernung riechen. Ketkrókur kommt in der Zeit der eifrigsten Festvorbereitungen und kann daher schon mal ein Stück Braten erwischen. Zu guter Letzt gesellt sich in der Nacht zum Heiligabend noch Kertasníkir hinzu, der den kleinen Kindern nachläuft und ihnen die Kerzen wegnimmt.

Mit freundlicher Genehmigung aus dem Island-Kochbuch (3. Auflage 2017)

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